Selbständig werden

Massnahmen der Arbeitslosenversicherung

Wenn Sie die Arbeitslosigkeit mit einer neuen, eigenen Selbständigkeit oder mit einer neuen, eigenen Firma beenden wollen, können Sie im Grundsatz mit folgenden Förderungsmassnahmen der Arbeitslosenversicherung rechnen, wenn Sie die Voraussetzungen für die einzelnen Massnahmen erfüllen.

Wenn Ihr Ziel die selbständige Erwerbstätigkeit ist, können Sie ein Gesuch um maximal 90 Taggelder (18 Wochen) für die Planungsphase stellen. Dieses Gesuch senden Sie ausgefüllt und unterschrieben an die Fachstelle Selbständigkeit oder geben es auf Ihrem RAV ab. Damit das Gesuch bewilligt werden kann, müssen Sie folgende Anforderungen erfüllen:

  • Sie haben die Beitragszeit erfüllt oder sind von der Beitragszeit befreit.
  • Sie sind bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) gemeldet und anspruchsberechtigt.
  • Ihre Rahmenfrist ist durch eine reguläre Beitragszeit oder aufgrund beitragsbefreiter Gründe (z.B. Erziehungsgutschriften, Ausbildungen, Auslandaufenthalt etc.) eröffnet. Sind Sie bereits in einer verlängerten Rahmenfrist, können Sie kein Gesuch mehr einreichen.
  • Sie sind mindestens 20 Jahre alt.
  • Sie dürfen Ihre Stelle nicht selber gekündigt haben, um selbständig zu werden. Eine Förderung ist aufgrund von kausalem Selbstverschulden ausgeschlossen. Nach einer solchen Kündigung müssen Sie wieder eine Stelle antreten und mindestens 6 Monate unselbständig gearbeitet haben, um einen Anspruch auf eine eventuelle Förderung zu haben. Sie dürfen nicht ohne weiteres eine Teilzeitstelle oder einen Zwischenverdienst kündigen, um selbständig zu werden. Allerdings ist es denkbar, auch mit einem Zwischenverdienst oder einer teilzeitlichen/temporären Anstellung in die Selbständigkeit zu starten.
  • Sie müssen ein Grobprojekt vorlegen, welches darauf ausgerichtet ist, eine wirtschaftlich tragfähige und dauerhafte Existenz aufzubauen.
  • Sie können angemessene Kenntnisse in der Geschäftsführung nachweisen, die Sie durch Praxis oder Kurse erworben haben. Oder Sie haben Unterstützung durch eine geeignete Fachperson.


Weitere Bemerkungen: Das bewilligte Gesuch um Taggelder für die Planungsphase ermöglicht Ihnen, sich für die Geschäftseröffnung vorzubereiten. Während der Planungsphase treten Sie noch nicht aktiv nach Aussen auf, sondern widmen sich der Vorbereitung. Sie sind weder bereits operativ tätig noch haben Sie Endkundenkontakt mit dem Ziel, Aufträge abzuwickeln.

Da eine operative Tätigkeit die Planungsphase beendet, wird für die Uebernahme einer bestehende Firma bzw. den Einstieg in eine bestehende Firma ein allfälliges Gesuch nicht bewilligt.

Auch eine Ausdehnung einer bestehenden Selbständigkeit kann damit nicht mehr gefördert werden. Die Planungsphase dient einzig der Vorbereitung einer neuen Firma, einer neuen Tätigkeit.

Pflichten gegenüber der Arbeitslosenversicherung: Sind die Taggelder für die Planungsphase bewilligt, müssen Sie keine Stellen mehr suchen und auch nicht mehr vermittlungsfähig sein. Sie müssen auch nicht mehr die Kontrollvorschriften erfüllen. Sie können also Tätigkeiten in Angriff nehmen wie den Eintrag ins Handelsregister, ohne dass dies Konsequenzen bei der ALV hat. Sie können sich ausschliesslich der Planung, Vorbereitung und dem Aufbau Ihres Unternehmens widmen. Während der Planungsphase können Sie auf Gesuch hin allenfalls noch Unterstützung im unternehmerischen Bereich bekommen (Kurse/Coachings). Fachkurse (z.B. Englisch, EDV) sind während der Planungsphase nicht mehr vorgesehen.

Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit: Mit dem letzten Tag der Taggelder für die Planungsphase endet die Unterstützung durch die ALV, es sei denn, Sie haben das Projekt definitiv aufgegeben und alles rückgängig gemacht.

Nach dem Bezug der Taggelder für die Planungsphase und der Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit verlängert sich Ihre Rahmenfrist bei der ALV um weitere zwei Jahre. Damit können Sie, sollten Sie erneut arbeitslos werden, verbleibende Ansprüche aus der ersten Rahmenfrist allenfalls noch geltend machen.

Diese Verlängerung der Rahmenfrist erhalten Sie übrigens auch, wenn Sie ohne Unterstützung durch die Taggelder für die Planungsphase nachweislich (z.B. AHV-Status) in die Selbständigkeit (mittels Personengesellschaft) starten und sich daher abmelden.

Ihr weiteres Vorgehen: Gesuchsformulare erhalten Sie bei Ihrem RAV, bei der Fachstelle Selbständigkeit oder Sie können bei den Formularen downloaden. Das Gesuch wird im Kanton Zürich von der Fachstelle Selbständigkeit bearbeitet.

Das sollten Sie noch wissen: Pro Rahmenfrist können Sie nur maximal 90 Taggelder für die Planungsphase beantragen. Allerdings ist es denkbar, dass Sie nach dem Scheitern eines Projektes ein Neues eingeben können, sofern die 90 möglichen Tage noch nicht aufgebraucht wurden.

Die Realisierung, bzw. Nichtrealisierung des Projektes müssen Sie der Fachstelle Selbständigkeit spätestens am letzten Tag der Taggelder zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit schriftlich mitteilen. Eine Nichtrealisierung müssen Sie begründen, wenn Sie wieder Taggelder beziehen wollen.

Nach Ablauf der Taggelder für die Planungsphase werden Sie bei der Arbeitslosenkasse abgemeldet.

Nach Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit erlischt Ihr Taggeldanspruch. Somit haben Sie auch keinen Anspruch auf Kompensationszahlungen wegen ungenügender Auftrags- und Einkommensverhältnisse.

Sie haben erst wieder Anspruch auf Taggelder, wenn Ihre Rahmenfrist noch läuft, Ihr Taggeldanspruch nicht ausgeschöpft ist und Sie sich wieder zur Stellensuche und Vermittlung anmelden.

Dies gilt auch dann, wenn Sie die Selbständigkeit neben einer bestehenden Anstellung angefangen haben. Wenn Sie die Anstellung verlieren, müssen Sie sich, um einen Anspruch beim RAV geltend machen zu können, wieder anmelden und Stellen suchen und vermittelbar sein.

Die Taggelder für die Planungsphase werden unterbrochen bei Krankheit und Unfall und laufen weiter, sobald der Arzt die Gesundheit wieder bestätigt. Sie werden auch unterbrochen bei Militär-, Zivilschutz- und Zivildienst. Die Verlängerung der Planungsphase um diese Tage ist möglich, wenn während des Unterbruchs auch die Planung unterbrochen werden musste.

Noch Fragen? Weitere Auskünfte erhalten Sie bei der Fachstelle Selbständigkeit.

Für die Frage, ob im Einzelfall Leistungen ausgerichtet werden können, sind die gesetzlichen Bestimmungen und deren Anwendung durch die Vollzugsstellen der Arbeitslosenversicherung massgebend.

Die Arbeitslosenversicherung (ALV) kann unter gewissen Bedingungen 20 Prozent des Verlustrisikos eines durch eine Bürgschaftsgenossenschaft verbürgten Kredits übernehmen. Die verbürgte Hauptschuld darf Fr. 500'000.00 nicht überschreiten. Maximal Fr. 100'000.00 werden mit dem Verlustrisiko im Schadensfall abgedeckt. Zu beachten ist, dass diese Bürgschaft nicht unentgeltlich ist, sondern verzinst werden muss.

Voraussetzungen für die Übernahme des Verlustrisikos: Zuerst muss eine Bürgschaftsgenossenschaft eine Bürgschaft bewilligen. Dies kann dann geschehen, wenn bereits vorgängig eine Bank die Bereitschaft erklärt hat, unter der Bedingung, dass eine Bürgschaftsgenossenschaft bürgen würde, einen Kredit zu gewähren.

Damit die ALV anschliessend eine Verlustrisikogarantie abgeben kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Nachweis angemessener beruflicher Kenntnisse im angestrebten Tätigkeitsfeld;
  • Nachweis angemessener Geschäftsführungskenntnisse;
  • Vorlage eines ausgearbeiteten Projektes (Businessplan);
  • Detaillierte Unterlagen über Kapitalbedarf und Finanzierung (Businessplan);
  • Zusage einer Bank für einen Kredit unter Vorbehalt der Gewährung einer Bürgschaft durch eine Bürgschaftsgenossenschaft (inkl. Kontaktperson).

Gesuchsablauf: Sie können ein Gesuch stellen, das die Übernahme des Verlustrisikos mit oder ohne Taggelder für die Planungsphase beantragt. Sie haben ein ausgearbeitetes Projekt, so dass Sie starten können und brauchen noch Taggelder für die Planungsphase oder Sie können starten, ohne dass weitere Vorbereitung nötig ist.

Dieses Gesuch müssen Sie innert der ersten 19 Wochen (mit Taggeldern zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit) bzw. 35 Wochen (ohne Taggelder zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit) Ihrer Arbeitslosigkeit eingeben. Gesuche, die nach dieser Frist eingereicht werden, können nicht mehr berücksichtigt werden.

Kommt die zuständige Amtsstelle zur Entscheidung, dass die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, wird dies mittels Verfügung festgehalten und das Gesuch wird an die Bürgschaftsgenossenschaft zur Prüfung weitergeleitet.

Die Bürgschaftsgenossenschaft entscheidet innert vier Wochen nach Zustellung des Gesuches über das Eintreten oder das Ablehnen. Dieser Entscheid löst Kosten für Sie aus und ist nicht anfechtbar. Mit einem positiven Entscheid kann das Darlehen oder der Kredit bei der Bank in Anspruch genommen werden.

Regelungen im Verlustfall: Geht Ihre Firma Konkurs und entsteht ein Schaden, für welchen die Bürgschaftsgenossenschaft haften muss, wird diese den Anteil von 20 Prozent gemäss der ursprünglichen Verfügung der ALV in Rechnung stellen.

Müssen Zahlungen geleistet werden, werden die gezahlten Beträge beim Taggeldanspruch der versicherten Person abgezogen, was eine Verminderung der Taggelder um den ausbezahlten Verlust bewirkt. Ist der Restanspruch der Taggelder kleiner als der Verlust, wird die Restsumme erlassen.

Einschätzung: Das Instrument der Verlustrisikogarantie wird sehr selten beantragt und es sind grosse Hürden zu überwinden. Im Kanton Zürich konnte dieses Instrument in den letzten Jahren nicht mehr eingesetzt werden, insbesondere weil kaum Banken bereit sind, Bürgschaftsgenossenschaften in dieser Konstellation mit der ALV zu akzeptieren, die Kredite durch diese Art von Finanzierung teurer werden sowie die Auflagen sehr hoch sind.

Wenn Sie sich selbständig machen, werden Fachkenntnisse vorausgesetzt, berufs- und branchenspezifische Weiterbildungskurse sind via Arbeitslosenversicherung nicht mehr finanzierbar. Allerdings ist es möglich, für unternehmerische Fragestellungen Hilfe zu bekommen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche je nach Bedarf auf Gesuch hin geprüft werden können.

Unternehmerkurse: Zu diesem Zweck gibt es Kurse, die Ihnen innert nützlicher Frist grundlegendes Wissen zur Selbständigkeit vermitteln. Wenn Sie bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet und anspruchsberechtigt sind, Sie den Weg in die Selbständigkeit wählen (z.B. via Taggelder zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit) kann geprüft werden, ob ein solcher Kurs für Sie sinnvoll ist. Kurse sind in der Regel nur bei dafür zertifizierten Anbietern möglich (z.B. EduQua).

Individuelle Massnahmen: In Einzelfällen ist es sinnvoll, nicht ganze Kurse zu besuchen, besonders dann, wenn Ihr Wissen nur punktuell ergänzt werden muss. In solchen Fällen kann eine kurze individuelle Massnahme in Form eines Coachings effektiver und effizienter sein.

Prüfung des Kursgesuches: Wenn Sie einen Kurs oder eine individuelle Massnahme im Rahmen des Startes in die Selbständigkeit mittels Arbeitslosenversicherung besuchen möchten, wird bei der Fachstelle Selbständigkeit mit Ihnen evaluiert, was für Sie in Frage käme.

Ein Kurs oder eine individuelle Massnahme kann auf Kosten der Arbeitslosenversicherung nur in Absprache mit der Fachstelle Selbständigkeit und nach Ausstellung einer entsprechenden Verfügung besucht werden.